Fotos aus dem Magnet- oder Klebealbum lösen

Magnetalbum, Haftseiten oder alter Kleber: So erkennen Sie den Albumtyp, lösen Fotos mit Zahnseide und wissen, wann Scannen im Album die klügere Wahl ist.

Wer ein Familienalbum aus den 1970er- oder 80er-Jahren aufschlägt, kennt das Bild: klebrige Seiten, eine gelbe, wellige Folie darüber und Fotos, die so fest sitzen, dass jeder Versuch, eines herauszunehmen, nach Rissen und Kleberesten aussieht. Dieser Ratgeber beantwortet die Frage „Wie bekomme ich Fotos aus dem Album, ohne sie zu zerstören?“ – und gibt eine Antwort, die in Foren selten steht: Oft ist es klüger, ein Foto gar nicht zu lösen, sondern zuerst im Album zu scannen. Gelöst wird nur, was sich leicht lösen lässt, und zwar in der richtigen Reihenfolge.

Das Foto retten, nicht nur das Album

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Magnetalbum, Klebealbum, Fotoecken: Welches Album haben Sie?

Unter „Klebealbum“ laufen im Deutschen mehrere Bauarten, und jede verlangt andere Handgriffe. Das sogenannte Magnetalbum ist seit den 1970er-Jahren sehr verbreitet: Mit Magnetismus hat es nichts zu tun, gemeint ist die Haftschicht auf den Seiten unter einer durchsichtigen Folie. Die Fotos wurden einfach aufgelegt und festgedrückt. Ältere Alben haben meist dunkle Kartonseiten, auf die Abzüge mit Kleber, Kleister oder Fotoecken gebracht wurden. Die Tabelle zeigt, woran Sie den Typ erkennen und was jeweils vernünftig ist.

Drei Albumtypen im Vergleich

Magnet- oder HaftalbumKlebealbum (Kleber, Kleister)Fotoecken
Woran Sie es erkennenKlebrige Seite unter durchsichtiger Folie, das Foto liegt flach aufFoto ist vollflächig oder punktweise aufgeklebt, die Seite ist oft dunkler KartonDreieckige Taschen halten die Bildecken, die Fläche ist frei
Was das Foto hältEine Haftschicht, die mit den Jahren hart geworden istAlter Klebstoff, oft spröde, der Foto und Seite verbindetNichts – es steckt nur in den Ecken
Was Sie tunFolie zurückschlagen, mit Zahnseide unter dem Foto lösen, sonst im Album scannenIm Album scannen; Lösen besser einer Fachkraft für Papierrestaurierung überlassenFoto aus den Ecken schieben, nicht an den Ecken ziehen
Typisches RisikoDie Emulsion bleibt an Seite oder Folie hängenDas Papier reißt, Kleber zieht ins FotoBildecken knicken

Warum Ziehen das Bild kostet – und was mit der Rückseite geschieht

Eine Haftseite besteht aus Karton, Klebeschicht und Folie, und keines davon war für Jahrzehnte gedacht. Der Karton ist meist nicht säurefrei und wird gelb und brüchig, die Klebeschicht wird hart statt klebrig, und die Folie, oft aus PVC, vergilbt und kann am Foto haften. Am Ende hängt der Abzug von beiden Seiten fest. Das US-Nationalarchiv zählt „Magnetalben“ mit selbstklebender Seite und durchsichtiger Abdeckung zu den Albumtypen, die man meiden soll, und rät zugleich, ein an der Albumseite haftendes Foto nicht abzulösen, weil dabei die Emulsion beschädigt werden oder das Foto reißen kann.

Das ist die ehrliche Ausgangslage: Aus Archivsicht lässt man ein festsitzendes Foto, wo es ist; zugleich schädigt das Album es weiter, solange es darin steckt. Darum die Reihenfolge dieses Ratgebers: erst scannen, dann nur lösen, was sich leicht lösen lässt.

Vergessen wird beim Lösen die Rückseite. Dort steht oft das Wertvollste: ein Datum, ein Ortsname, bei Laborabzügen manchmal ein Stempel mit dem Entwicklungsdatum. Gerade diese Fläche haftet an der Klebeschicht; Bleistift oder Tinte kann verschmieren, Papierfasern reißen ab, aus einer lesbaren Zeile wird ein Fleck. Auch die Albumseite trägt Information: Bildunterschriften in Weißstift, Jahreszahlen, die Reihenfolge der Bilder, wer neben wem klebt. Wer nur die losen Fotos aufbewahrt, verliert das.

Fotos aus dem Album lösen – in dieser Reihenfolge

  1. Zuerst die ganze Seite sichern

    Fotografieren oder scannen Sie die komplette Seite oder Doppelseite, bevor Sie etwas anfassen: Tageslicht, kein Blitz, gerade von oben. Notieren Sie Seitenzahl und Position der Fotos auf einem Zettel, statt auf die Abzüge zu schreiben.

  2. Folie zurückschlagen, eine Ecke prüfen

    Lässt sich die Folie ohne Widerstand abheben, tun Sie das; oft hält dann nur noch die Haftschicht. Klebt die Folie am Bild, ziehen Sie nicht: Dieses Foto bleibt im Album. Sonst heben Sie eine Ecke mit dem Fingernagel oder einer dünnen Plastikkarte an. Spüren Sie Zug, hören Sie auf.

  3. Mit Zahnseide unter dem Foto entlang

    Führen Sie ungewachste Zahnseide oder dünne Angelschnur flach unter das Foto und ziehen Sie sie sägend hin und her. So wird die Klebeschicht durchtrennt, statt das Foto nach oben abzuziehen. Halten Sie die Zahnseide möglichst parallel zur Seite.

  4. Wärme nur als letzte Hilfe

    Ein Föhn auf kleinster Stufe, mehrere Zentimeter entfernt und ständig in Bewegung, kann hartnäckigen Kleber etwas weicher machen. Kein Bügeleisen, keine heiße Stufe, keine Stelle, auf der der Luftstrom verweilt: Zu viel Hitze kann das Foto verziehen oder die Verbindung noch fester machen.

  5. Rückseite sofort scannen

    Sobald das Foto frei ist, scannen Sie die Rückseite, am besten gleich mit derselben Auflösung wie die Vorderseite. Fassen Sie das Foto nur an den Rändern an und reiben Sie keine Klebereste ab.

  6. Wissen, wann Schluss ist

    Bewegt sich ein Foto nach einigen vorsichtigen Versuchen nicht, hören Sie auf. Kein Messer, kein Lösungsmittel, kein Wasser. Im Album gescannt ist das Bild gesichert; ein zerrissenes ist ein Restaurierungsfall.

Wenn das Foto bleibt: im Album scannen

Ein festsitzendes Foto im Album zu digitalisieren ist kein Notbehelf, sondern oft die beste Lösung. Ein gebundenes Album liegt auf dem Flachbettscanner selten plan; ein sauberes Handyfoto bei Tageslicht, gerade von oben und ohne Blitz, ist hier meist die bessere Wahl. Wischen Sie die Folie vorher trocken und weich ab und achten Sie darauf, dass sich Fenster oder Lampe nicht darin spiegeln.

Epoha gibt nur die Fotografie zurück, ohne Albumrand, und kann Reflexe und den Gelbstich der Folie oft mildern. Beschriftungen auf der Albumseite fallen dabei weg; die Aufnahme der ganzen Seite behalten Sie deshalb als Archivkopie. Wie weit die Restaurierung im Einzelfall gelingt, sehen Sie im Ergebnis, bevor Sie etwas bezahlen. Das Album selbst bewahren Sie danach kühl, trocken und dunkel auf, nicht auf dem Dachboden und nicht im Keller.

Nach dem Lösen: so lagern Sie die Fotos

  • Jedes Foto einzeln und flach lagern, damit keine klebrige Rückseite ein anderes Bild berührt
  • Säure- und ligninfreie Hüllen oder Mappen nehmen, die den Photographic Activity Test (PAT) bestanden haben, kein PVC
  • Die Fotos nicht in ein neues Magnet- oder Haftalbum zurücklegen: Dieselbe Bauart verursacht dasselbe Problem noch einmal
  • Klebereste weder abreiben noch mit Mitteln behandeln; am Scan lassen sie sich entfernen
  • Wertvolle oder stark verklebte Fotos einer Fachkraft für Papierrestaurierung zeigen

Fragen zu Fotos im Magnetalbum und Klebealbum

Wie bekomme ich Fotos aus einem selbstklebenden Fotoalbum, ohne sie zu zerreißen?

Scannen Sie zuerst die Seite, schlagen Sie dann die Folie zurück und prüfen Sie eine Ecke. Lässt sie sich leicht anheben, trennen Sie die Klebeschicht mit ungewachster Zahnseide von unten durch, statt das Foto nach oben abzuziehen. Bewegt sich das Foto nicht, lassen Sie es drin und scannen Sie es im Album.

Kann ich Fotos einfach im Magnetalbum scannen, ohne sie herauszunehmen?

Ja, und bei festsitzenden Abzügen ist das der sicherere Weg. Fotografieren Sie gerade von oben bei Tageslicht ohne Blitz, damit die Folie nicht spiegelt. Ein vollständiges Foto hinter Folie ist besser als ein herausgelöstes, das dabei gerissen ist.

Helfen Waschbenzin, Aceton oder Nagellackentferner gegen Klebereste?

Nicht am Foto. Lösungsmittel können Kleber ins Papier tragen und Ränder hinterlassen, und Sie wissen vorher nicht, wie Bildschicht und Papier reagieren; die Kleber in Alben sind zudem verschieden. Auch ein Wasserbad ist kein Hausmittel, es kann Papier verziehen und Beschriftung angreifen. Das gehört in die Hand einer Fachkraft für Papierrestaurierung.

Das Foto ist beim Lösen gerissen oder die Bildschicht blieb am Album hängen. Was nun?

Hören Sie auf und ziehen Sie nicht nach. Scannen Sie alle Teile und die Albumseite mit den haften gebliebenen Resten. Risse lassen sich im Scan schließen, kleine Fehlstellen aus dem Umfeld ergänzen; was nie im Bild war, wird nicht dazuerfunden. Mehr dazu im Ratgeber zu zerrissenen Fotos.

Das Foto retten, nicht nur das Album

Laden Sie den Scan hoch, gelöst oder noch im Album, und sehen Sie das Ergebnis.

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Quellen